Riffeln bald nach der Ernte. Wenn sich die Leinpflanze ab den Wurzeln gelb verfärbt, ist es Zeit zur Ernte. Teilweise war das bei uns so. Nachdem die Pflanze so wundervoll blau blühte, begannen die Blüten langsam abzufallen.

Die Kapseln oder auch Knadden, in denen sich die Leinsamen befinden, die sich an der Pflanze gebildet hatten, wurden braun.

Es scheint weitestgehend normal zu sein, dass der Flachs, wie die Leinpflanze auch genannt wird, unterschiedlich reift. Wir befanden, dass der Flachs lange genug im Acker war und es Zeit wird ihn vom Feld zu holen.

Nun haben wir die Pflanzen nicht einfach abgemäht. Wie die Altvorderen haben wir sie mit der Wurzel aus der Erde gerauft. Dieses Raufen stellt sicher, dass keine Fasern verloren gehen. Diese Fasern befinden sich im Stängel der Pflanze und werden später aus den Stängeln extrahiert, um daraus Garn für die Herstellung von Kleidung zu machen.

Hier sieht man, dass die Flachsverarbeitung durchaus und zwingend zwei wichtige Produkte hervorbrachte und bringt. Auf der einen Seite ist es die Gewinnung von Leinsamen (für die Leinölherstellung und als Saat für das nächste Jahr) und auf der anderen Seite eben die Fasern.

Im Übrigen war es damals kaum möglich den Flachs abzuschneiden, weil es keine Messer gab, die ihn schneiden konnten (Das Blaue Wunder der Region Heinsberg, H. Gerichhausen, 2011, S.20).

Wir haben jeweils eine Handvoll Flachs aus dem Boden gezogen, die Erde am Schuh abgeschlagen, zwölf Hände voll zu einer Garbe zusammengefasst und dann auf dem Feld über Kreuz (zwischen 4 und 6 Garben) zu einer kleinen Kapelle zum Trocknen und Nachreifen aufgestellt.

Es heißt, dass das Raufen in der Regel Frauenarbeit war (Das Blaue Wunder der Region Heinsberg, H. Gerichhausen, 2011, S.21). Wie bei jeder Arbeit, die damals von Frauen getätigt wurde, könnte das heutzutage anders bewertet werden. Der Rücken leidet schon mächtig.

Riffeln

So. Nun ist der Flachs geerntet, gerauft, getrocknet und nachgereift. Es steht das Riffeln an. Früher wurde auf einer Riffelbahn geriffelt, also die Kapseln von dem Stängel entfernt.

Die Riffel sieht ein wenig so aus, wie ein Holzbrett mit eingeschlagenen Nägel und ähnelt einem sehr groben Kamm. Aber weit gefehlt. Die Riffeln wurden extra für diese Arbeit geschmiedet, damit sie der kraftvollen Arbeit, die daran verrichtet wurde standhalten.

Bei dieser Arbeit wurden die Büschel Flachs mit Schwung in die bis zu 20 cm langen Riffelzähne geschlagen und mit Schwung wurden die Knadden abgeriffelt. Oben ist eine Einzelriffel zu sehen, die wir benutzt haben und wohl eher zu einer kleinen Familie mit wenig Feld gehört hat.

Je nachdem wie groß die Menge an Flachs war, von dem die Kapseln entfernt werden sollten, gab es Riffelbahnen, die bis zu 6 Meter lang waren und mit 3-4 Riffeln bestückt waren.

Das Riffeln war eine körperlich schwere Arbeit, sodass hier nur die starken Jungs zum Einsatz kamen. Die Mädchen und Buben dagegen öffneten die Flachsbündel (Garben) und reichten sie den Burschen zum Riffeln an.

Darüber hinaus war sie ausgewiesen staubig. Das erklärt wohl, dass dabei der Bierkonsum groß war.

Es wurde ausgiebig gegessen, getrunken, geschwatzt und geflachst. Viele solcher Begriffe und Sprichwörter stammen aus der Zeit, als der Flachs unentbehrlich war. Flachsen – albern sein. Auch sein blaues Wunder erleben oder ins Blaue fahren, rühren her aus dieser Epoche.

Große Hilfe. Vielen Dank!

Riffeln

Viele auch schöne Geschichten werden ums Riffeln erzählt. So bandelten immer wieder junge Männer mit jungen Frauen an, während dieser Zeit.

Es wurde gesungen und getanzt. Wenn der Flachs geriffelt war, „…zogen die Mägde und Frauen mit lautem Gesang nach Hause“ (Das Blaue Wunder der Region Heinsberg, H. Gerichhausen, 2011, S.23).

Hielt eine Liebelei nicht dauerhaft und hat der junge Mann ein Mädchen im Dorf sitzengelassen oder gar ins „Unglück gebracht“, dann wurde der Weg vom Hause des Jungen zum Hause des Mädchens mit ausgedroschenen Leinkapseln gestreut, auf dass jeder im Dorfe wusste, was geschah.

Diese ausgedroschenen Leinkapseln werden auch Schäben genannt.

Da hat sich jemand schäbig verhalten.